Haben Sie Ihrer Partnerin/Ihrem Partner nichts mehr zu sagen? Sind verbale Auseinandersetzungen zum Alltag geworden und enden mit Frust und gegenseitigen Verletzungen? Liegen Trennungsabsichten in der Luft?
Familienbeziehungen verändern sich im Laufe der Zeit. Sie funktionieren nicht einfach endlos. Das tägliche Zusammensein will gepflegt und Reibungspunkte thematisiert sein. Wenn das gemeinsame Gespräch nicht mehr klappt, bietet das Mediations-Setting Raum, schwierige Themen anzusprechen und zu bearbeiten. Mediation in diesem Kontext eignet sich nicht nur bei Paarkonflikten. Uneinigkeiten zwischen Eltern und heranwachsenden Kindern, zwischen Eltern und die Kinder mitbetreuenden Grosseltern oder mit anderen Familienmitgliedern lassen sich ebenso gut mit Mediation bearbeiten.
Im Fokus einer Trennungs- oder Scheidungsmediation steht die Erarbeitung einer Trennungsvereinbarung respektive einer Scheidungskonvention.
Das Mediationsverfahren leistet hier unschätzbare Dienste. Es hilft den Betroffenen, trotz persönlichen Verletzungen und Enttäuschungen über den ehelichen Scherbenhaufen sich zu den wirklichen Anliegen und Interessen – sowohl die eigenen wie auch diejenigen der Kinder – vorzuarbeiten. Die Mediatorin, der Mediator unterstützt die Paare, ihre künftigen Lebenswege selbstbestimmt, einvernehmlich und aussergerichtlich zu gestalten, ohne das Recht ausser Acht zu lassen. Eine Scheidungsmediation ist zudem um einiges kostengünstiger und kürzer als ein Gerichtsverfahren mit anwaltlicher Vertretung.
Wohnen ist ein Grundbedürfnis; Unsicherheiten lösen rasch Ängste aus. Konflikte unter Nachbarn können die Lebensqualität sehr einschränken. Sie lassen sich jedoch meist kaum ausblenden.
Nachbarstreitigkeiten haben eine Vorgeschichte. Mangelnde Rücksichtnahme werden beklagt: beispielsweise der ständig wummernde Bass in der Wohnung nebenan. Stein des Anstosses ist auch der privat besetzte Raum in Tiefgarage oder Treppenhaus, der doch für alle gedacht ist. Unterschiedliche Lebensstile sind ebenfalls Auslöser für Konflikte. Häufig wird nicht gleich angesprochen was stört, sondern man macht die Faust im Sack. Die ursprünglichen Sachprobleme treten in den Hintergrund; die Verärgerung wächst; «mit diesen Nachbarn ist einfach nicht zusammenzuleben!» Wird das Störende dann doch angesprochen, läuft das Gespräch häufig aus dem Ruder. Statt Klärung gibt’s Kränkung – und eisige Funkstille zieht ein. Ein wesentlicher Vorteil der Konfliktklärung mit Mediation ist, dass die Beteiligten nicht nur die sachlichen Konfliktthemen lösen, sondern auch an ihrer Beziehung als Nachbarn arbeiten – ein besseres Miteinander wird wieder lebbar.
Der landwirtschaftliche Familienbetrieb ist in der Schweiz immer noch die Regel. Von fünf Bauernhöfen werden vier mit Arbeitskräften aus der Familie geführt. Das rechnet sich, wenn es beispielsweise darum geht, saisonales Arbeitsaufkommen zu bewältigen.
Die Verbundenheit der Familienmitglieder gibt Halt in schwierigen Zeiten. Das enge Miteinander birgt jedoch auch Konfliktpotential. Fehlende Wertschätzung für die geleistete Arbeit etwa oder sich übergangen fühlen sind oft Ursache von schwelenden Streitigkeiten. Auch bei der Hofübergabe kann es zu heftig geführten Auseinandersetzungen kommen. Hier treffen die langjährige Erfahrung der abtretenden Generation und die jugendliche Neugierde auf Neues aufeinander. Die Nachfolgeregelung bringt rechtliche und finanzielle Fragen auf den Tisch, deren Antworten für die verschiedenen Beteiligten nicht nur die Sach- sondern auch die Gefühlsebene und Fragen der Wertschätzung tangieren. Das offene Gespräch über die Anliegen aller Beteiligten ist hier zentral. Immer mehr Bauernfamilien setzen für diesen Prozess auf die wohltuende Begleitung durch eine Mediatorin oder einen Mediator.
Mit den tiefen Zinsen ist der Erwerb von Stockwerkeigentum in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Doch nicht jede Käuferin/jeder Käufer ist sich bewusst, dass die Investitionskosten für eine Liegenschaft über deren Lebenszyklus von bis zu 100 Jahren nur 20 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Die meisten Kosten fallen nämlich erst in den Folgejahren in Form von Ausgaben für Betrieb, Unterhalt und Erneuerung an.
Und da fangen die Probleme meist an: «Ich habe keine Kinder, also brauche ich keinen Spielplatz!» Und: «In einigen Jahren wechseln meine Frau und ich in eine Alterswohnung. Die Totalsanierung des Hauses kann warten!» Und: «Weshalb muss ich für die Liftreparatur aufkommen, wo ich doch im Parterre wohne?» Streitigkeiten im Stockwerkeigentum führen meist zu Frustration und Ohnmachtsgefühlen; nicht selten ist die sachgerechte Verwaltung der Liegenschaft ganz blockiert. Anders als im Mietverhältnis sind die Beteiligten an ihr Eigentum gebunden; einfach so wegziehen liegt also nicht drin. Konfliktbearbeitung mit Mediation unterstützt nicht nur bei der Lösung der strittigen Sachthemen. Mediation heilt auch die Beziehung zwischen den Konfliktbeteiligten. Es ist äusserst wohltuend, wenn man nach der gütlich abgeschlossenen Mediationsvereinbarung der Nachbarin, dem Nachbarn wieder in die Augen schauen und freundlich grüssen kann...
Das zentrale Ziel der Schulmediation ist den konstruktiven Umgang mit Konflikten zu fördern. Schulen sind Gemeinschaften. Sie sind Spiegel unserer Gesellschaft. Wo Menschen zusammen leben und arbeiten gibt es Konflikte. In Schulen sind sie so vielfältig wie die Menschen darin – Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Sozialpädagogen, Schulleitung, Betreuerteams, Eltern.
In diesem menschlichen Mesokosmos haben Bedürfnisse wie Zugehörigkeit, Anerkennung, Sicherheit einen wichtigen Stellenwert. Werden diese Bedürfnisse verletzt, entstehen Angst, Wut, Ohnmacht, Traurigkeit – Gefühle, die sich in gesteigerter Aggression bis hin zur Gewaltbereitschaft äussern können. Für die Mediation an Schulen gibt es verschiedene Konzepte. Zum Beispiel die wöchentlich zur selben Zeit stattfindende Sprechstunde durch ein professionelles Mediationsteam. Jeder und jede kann sie aufsuchen – Erwachsene, Jugendliche, Kinder – und im Gespräch mit den Fachleuten einen Konflikt thematisieren, die eigne Rolle darin reflektieren oder zusammen mit der «Gegenpartei» den Streit klären. Ein weiteres Modell ist die Peer-Mediation. Schülerinnen und Schüler werden in einer qualifizierten Schulung zu Konfliktlotsinnen und –lotsen ausgebildet und stehen danach jüngeren Mitschüler/-innen zur Konfliktklärung zur Verfügung. Kinder sind die Erwachsenen von morgen. Mediation in Schulen fördert ihre Eigenverantwortung, Empathie, Konfliktlösungskompetenz. In einer Gesellschaft, die immer vielfältiger wird, ist diese Friedensarbeit wichtiger denn je.
Sport ist Wettbewerb – das macht ihn spannend. Sport ist emotional – das macht ihn attraktiv. Diese Mischung ist jedoch anfällig für Auseinandersetzungen, die auch zu handfesten Konflikten werden können.
Arenen fürs Konfliktgeschehen gibt es viele. Etwa zwischen der Mannschaft und ihrem Trainer/ihrer Trainerin oder zwischen Spielerinnen, Spielern untereinander. Aber auch Funktionäre können sich mit der Teamleitung in die Haare geraten oder die Mitglieder des Vereinsvorstands arbeiten gegeneinander, bis es kracht. Die schlichtende Mediationsfachperson bringt den nötigen Aussenblick ins Sportvereinswesen. Ihre Allparteilichkeit und Empathie neutralisiert Wettbewerb und Emotionen. Ein Dialog entsteht. Konflikte entstehen nicht nur bei sportlichen Aktivitäten. Mediation ist in den verschiedensten Vereinsformen hilfreich. Im Chorleben und im Kulturverein ebenso wie in einer Bürgerinitiative oder einer kirchlichen Institution.
Es ist eine demografische Tatsache: Wir werden immer älter und damit wird die Zeitspanne nach der Pensionierung immer länger. Nach dem Rückzug aus dem aktiven Arbeitsleben gilt es, einen neuen Lebensabschnitt zu gestalten, der zwanzig, dreissig oder mehr Jahre umfassen kann. Wir haben Raum und Zeit, unsere Lebenssituation zu verändern, ausgedehnte Reisen sind möglich oder eine ehrenamtliche Tätigkeit.
Aber auch neue Verpflichtungen können den Alltag prägen. Die Pflege der alten Eltern beispielsweise oder das Hüten der Enkelin. Mit zunehmendem Alter wird man sich der eigenen Endlichkeit immer mehr bewusst. Die Leistungsfähigkeit nimmt ab, der eigene Körper setzt uns Grenzen. Verschiedene Gebresten oder gar Krankheiten schränken das aktive Leben zunehmend ein. Perspektiven fehlen. Die Gedanken kreisen um das, was nicht mehr möglich ist. Vielen Menschen macht diese veränderte Alltagsrealität Angst vor dem, was noch kommen wird. Die Kinder beginnen sich um die Mutter, den Vater zu sorgen. Die Frage steht im Raum: Was ist, wenn die Mutter, der Vater nicht mehr zu sich selbst schauen kann? Die Geschwister suchen das Gespräch mit einer Mediationsfachperson, um sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen und die gegenseitigen Alltagssituationen und Bedürfnisse kennen zu lernen. In einem zweiten Schritt sprechen sie mit der Mutter, dem Vater über die Zukunft. Der Mediator, die Mediatorin unterstützt dabei die Familie in der Suche nach einer auf die Situation angepassten Lösung, die die Selbständigkeit der Mutter, des Vaters in optimalem Umfang bewahrt.
Das Buch «Flegeljahre» des deutschen Schriftstellers Jean Paul (1763 – 1825) beginnt mit einer Testamentseröffnung. Im Testament steht, dass derjenige das Haus erbt, der innerhalb von 30 Minuten um den Erblasser weint. Und dann schildert Paul anschaulich, wie die Versammelten versuchen, Tränen aus sich herauszudrücken...
Erbteilungen haben auch im wirklichen Leben schon viele Familien auseinandergebracht. Angesichts des Todes eines Familienangehörigen können neben der Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen, die unterschiedlichsten Gefühle hochkommen. Die Furcht beispielsweise, von den Geschwistern übervorteilt zu werden. Oder die Angst der zweiten Ehefrau des Erblassers, dass die Stiefkinder sie aus dem Haus jagen. Oder ganz banal: Wer kriegt was? Aber ja nicht zu viel davon! Der Vorteil der Konfliktbearbeitung durch Mediation ist, dass trotz unterschiedlichen Meinungen die Erbengemeinschaft in Kontakt bleibt, sich bei Entfremdung wieder näher kommt, miteinander redet, Differenzen gemeinsam bearbeitet und nach tragfähigen Lösungen sucht. Bestenfalls findet eine Erbmediation bereits vor dem Erbfall statt. Nach der Analyse der persönlichen Situation des künftigen Erblassers, werden die Wünsche und Ziele der einzelnen Familienmitglieder ermittelt und die testamentarische Regelung gemeinsam entwickelt. Nach Abschluss der Mediation gilt die von allen Beteiligten vereinbarte Nachlassregelung. Das Licht des Wissens und der Teilhabe hat allfällige Schatten der Missgunst vertrieben.
Andere Länder – andere Sitten. Es sind nicht nur die verschiedenen Sprachen, die eine Kommunikation zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen erschweren können.
Was bei uns üblich ist, beispielsweise einen zielorientieren Kommunikationsstil ohne um den heissen Brei zu reden, stösst in anderen Kulturkreisen auf Befremden oder sogar auf Ablehnung. In vielen südeuropäischen, afrikanischen und asiatischen Kulturkreisen kommunizieren die Menschen indirekt miteinander. Da ist unser «auf den Punkt kommen» unüblich und irritierend. Auch non-verbale Signale können je nach Kultur eine andere Bedeutung haben. So bedeutet beispielsweise unsere Geste «Daumen hoch» als Zeichen, dass alles im grünen Bereich ist, für einen Menschen aus dem iranischen Kulturkreis eine schwere Beleidigung. Diese Geste ist für ihn gleichbedeutend mit dem Hochstrecken des Mittelfingers in unseren Breitengraden. Mediation bei interkulturellen Konflikten bietet Raum, solche Missverständnisse und Kommunikationsbarrieren zu überwinden. Die Mediationsfachperson der Wahl wird sich kulturspezifisches Wissen aneignen, das im Alltag der Medianden eine Rolle spielt.