Alles rund um die Falldokumentation

Die dokumentierte Praxis bezieht sich auf einen mediativen Prozess.

Wie Mediationsverfahren oder mediationsähnliche Konfliktvermittlungen, die geeignet sind, Mediationskompetenz im Sinne der in den Ausbildungsrichtlinien formulierten Lernziele sichtbar zu machen.

Mediationen sind prinzipiengeleitete Formen der Konfliktklärung, bei der ergebnisoffene, all parteiliche Dritte (Mediator:innen) die Beteiligten darin unterstützen, in Konflikten selbstverantwortlich zu einvernehmlichen Regelungen zu finden.

Wenn einzelne Prinzipien der Mediation wie Freiwilligkeit, Vertraulichkeit, Selbstverantwortlichkeit nicht oder nur beschränkt eingehalten werden können, und wenn die Vermittlungsperson wegen ihrer besonderen Rolle in ihrer Unparteilichkeit und Unabhängigkeit eingeschränkt ist, muss dies explizit transparent gemacht werden, und zwar in der Kommunikation mit den Konfliktbeteiligten als auch in der Falldokumentation.

In einer mediationsähnlichen Konfliktvermittlung müssen die wesentlichen Schritte gemäss Struktur der Mediation, insbesondere eine vertiefte Klärung dessen, worum es den Konfliktbeteiligten geht (Interessen, Bedürfnisse, Anliegen, Emotionen, Motive), angewendet und dargestellt werden.

Umfang der Falldokumentation

Die Dokumentation bezieht sich auf supervidierte selbständige Mediationspraxis oder Co-Mediation (vorzugsweise mit einem/einer von der FSM anerkannten Mediator:in), inklusive Auftragsklärung, Telefonate, Vorbereitung, Einzelgespräche. Idealerweise handelt es sich um einen Fall. Maximal kann sich die Dokumentation auf zwei Fälle beziehen.

Die Führung der Gespräche im mediativen Prozess bzw. in Anwesenheit der am Streit Beteiligten umfasst mindestens 6 Stunden (z.B. 4 Sitzungen à 1.5 Stunden oder im Bereich Wirtschaft/Umwelt eine Sitzung à 6 Stunden). Es kann sich um eine bezahlte Dienstleistung, eine Aufgabe im Rahmen einer Institution, ein politisches Amt oder um eine freiwillige Tätigkeit handeln.

Ausbildungsinstitute können nach sorgfältiger Prüfung mehr als zwei Fälle zulassen, um die 6 Stunden Mediationsgespräche zu dokumentieren. Sie tragen damit spezifischen Praxisrealitäten Rechnung. Die erforderlichen Kompetenzen in der Fallbearbeitung und in der Reflexion müssen jedoch nachvollziehbar sein.

Formale Vorgaben

  • Der Fall ist anonymisiert. Es werden keine Namen genannt oder diese geändert, ebenso wie Orte und auffällige Merkmale, anhand derer erkennbar wäre, um wen es geht,
  • die Anzahl und Dauer der Besprechungen sind ebenso aufgelistet wie die Zeit für Vor- und Nachbereitung,
  • wenn immer möglich sind anonymisierte Flipcharts und Fotoprotokolle, schriftliche Mediationsverträge etc. beizulegen,
  • Benennung der Intervention, des Verfahrens: Mediation, interne Mediation, (interner) Konfliktklärungs-/Vermittlungsprozess, Streitschlichtung mittels mediativer Entscheidungsfindung, Konsensverfahren in Grossgruppe, etc.,
  • im Falle einer Co-Arbeit/Co-Autorenschaft muss beschrieben sein, welche Arbeits- und Rollenteilung für die Zusammenarbeit und die Dokumentation gewählt wurden,
  • Layout: Schriftzug Arial 11; Abstand 1.5 zwischen 25‘000 und 50‘000 Zeichen mit Leerschlag (ca. 20 Textseiten) ohne Quellenverzeichnis und/oder Anhang.

Empfohlene inhaltliche Gesichtspunkte

  • Zustandekommen des Verfahrens und Auftragsklärung; Begründung, weshalb man den Auftrag angenommen oder die Intervention gestartet hat,
  • Konfliktanalyse (Art des Konflikts, Eskalationsgrad und Kontextanalyse: Organisationaler
    Kontext, Umfeld, Stakeholder, soziale Einflüsse, zeitliche Entwicklung etc.),
  • Hypothesen zum Konflikt und zum Verhalten der Beteiligten sowie eigene Handlungshypothesen (Annahmen dazu, wie welches Vorgehen wirken könnte),
  • Begründung des gewählten Vorgehens, Verlauf der Intervention, Beschreibung der Wirkung der eigenen Interventionen, Überprüfung der eigenen Hypothesen,
  • Ausführungen zur Argumentation und zum Kommunikationsverhalten der Streitenden nur insoweit sie notwendig sind, um zu verstehen, worum es geht und um zu verstehen, welche Wirkungen dies auf den/die Autor:in (Mediator:in) und sein/ihr Handeln hatte,
  • Beschreibung der Arbeit hinsichtlich der Exploration der Bedürfnisse, Interessen, Motive
    und Gefühle der Streitenden,
  • Überraschungen, Unvorhersehbares, kritische Situationen,
  • Ergebnis des Prozesses,
  • Zufriedenheit der Beteiligten,
  • Reflexion des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns (Reflexion der eigenen Rolle und ihre Wirkungen, des eigenen Verhältnisses zu den Streitbeteiligten; Reflexion der eigenen Haltung im Prozess und des eigenen Umgangs mit den Prinzipien der Mediation).